Vorträge zu Ludwig II.

„Marcus Spangenberg ist ein hervorragender Kenner des Königs, seiner Kunst und seiner Kümmernisse.“
(Schwäbische Zeitung, Christiane Pötsch-Ritter, 12. August 2016)

König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) war nicht wie die anderen. Der Erbauer der weltberühmten Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee wusste es: „Ich bin einfach anders gestimmt als die Mehrheit meiner Mitmenschen.“ Wie er auch fern der Welt sein wollte, „die stets mich verkennt und mit der ich mich nie und nimmer befreunden kann und will“. Er reagierte mit einem unzeitgemäßen und religiös verklärten Verständnis vom Königtum, dem er sich ständig würdig erweisen wollte. Diese Fixierung auf das „wahre, echte“ Königsamt bewirkte das Gegenteil. Ludwig II. verlor sich selbst in der Realität eines mäßig mächtigen Staates und wurde 1886 seines Thrones und seines Lebens beraubt. Der Gegensatz zwischen dem eigenen Anspruch eines Königs von Gottes Gnaden und der politischen Notwendigkeit wuchs durch die Unzulänglichkeit, seine poetischen Begabungen mit der Prosa alltäglichen Regierens zu verbinden. Dieser reich bebilderte Vortrag skizziert Hintergründe, Entwicklungen und die tödlichen Folgen für den Monarchen.
 

Schloss Linderhof ist einzigartig. Für König Ludwig II. von Bayern bildete es zusammen mit vielen weiteren nahen Bauten einen „königlichen Themenpark“: mit der weltweit größten künstlichen Grotte (Venusgrotte), Bühnenbildern im Wald nach Opern Richard Wagners, orientalischen Gebäuden unter Palmen und geplanten Palastanlagen im byzantinischen und chinesischen Stil. Und das alles zwischen Graswang und dem Plansee. Diese bilderreiche Präsentation gewährt spannende und teils bisher unbekannte Einblicke. Anhand ausgewählter Bauwerke und mit Geschichten der königlichen Nutzung wird deutlich: Hätte der „Märchenkönig“ alle seine Pläne verwirklichen können, wäre eine unvergleichliche Kulturlandschaft entstanden. Doch auch das, was realisiert werden konnte, erhebt das Graswangtal zu einer kulturhistorischen Besonderheit.
 

Im Sektionsprotokoll der Leiche Ludwigs II. vom Juni 1886 wird der Zahnstatus des Monarchen wie folgt attestiert: „Die Zunge etwas zwischen den Zähnen eingeklemmt, der Oberkiefer fast zahnlos, mit einer Zahnpièce versehen, im Unterkiefer noch eine Anzahl lose sitzender Zähne (vier Schneide- und zwei Eckzähne)“. Diese erschreckende Beschreibung offenbart die dunkle und leidende Seite des Monarchen. Sie mag so gar nicht zu dem Bild prächtiger Schlösser und Herrschaftsglanz passen. Und dennoch sind es die berühmten zwei Seiten einer Medaille, die sich gegenseitig bedingen. Nur mit dem Blick auf das, was der König erleidet und wie der König leidet, wird uns das zutiefst Menschliche an Ludwig II. deutlich vor Augen geführt. Oder, mit anderen Worten, Ludwigs gesundheitliche Einschränkungen der Physis führen uns Ludwig II. aus den vermeintlich höheren Sphären auf den harten Boden der Tatsachen.
(Dieser Vortrag wurde ursprünglich als Festvortrag im Rahmen der 7. Klausurtagung für Sanitätsoffiziere Zahnarzt der Bundeswehr im Kloster Banz konzipiert.)
 

Jeder von uns hat es schon einmal gesehen: das Konterfei Ludwigs II. auf einem der zahlreichen Objekte, die ohne Grenzen des guten Geschmacks für Touristen angeboten werden. Der „Märchenkönig“ regiert ein stattliches Souvenirreich! Kein Monarch ist in der bunten Waren- und Tourismuswelt vergleichbar präsent wie der Förderer Richard Wagners und Erbauer zahlreicher phantastischer Architekturen. Alljährlich wird des Königs in Feiern, Versammlungen und Maskeraden gedacht, auch in der Werbung wird sein Bekanntheitsgrad ausgenutzt. Dieser reich illustrierte Vortrag lenkt den Blick auf die verschiedenen Facetten der Auseinandersetzung mit Ludwig II. Er beleuchtet die Hintergründe der Vermarktung und zeigt die Entwicklung der Kitsch- und Kult-Figur Ludwig II. von seiner Geburt im Jahre 1845 bis in die Gegenwart auf. 
Mit einem ironischen und kritischen Blick werden die Bereiche Devotionalien, Film, Kitsch, Postkarten, Literatur, Denkmäler, Musik und selbstverständlich Schloss Neuschwanstein präsentiert.
Dieser Vortrag ist ein „Klassiker“ seit dem Jahr 2000. Er wird stets aktualisiert und berücksichtigt jeweils regionale Gesichtspunkte des Vortragsortes.
 

Der welterfahrene Schriftsteller, Fotograf und Privatier Hugues Krafft (1853–1935) aus Reims reiste im September 1886 als einer der ersten Ausländer nach Bayern, um die immer bekannter werdenden Bauwerke Ludwigs II. zu besichtigen. Krafft hinterließ von seiner mehrtägigen Reise sehr persönliche Eindrücke, die er im nachfolgenden Jahr der Öffentlichkeit in Text und Bild mitteilte: als Beitrag im „Journal Le Tour du Monde“ und in Form eines Lichtbildervortrags vor der „Société de Géographie“ in Paris. Rund 140 Jahre später teilt sich Hugues Krafft der breiten Öffentlichkeit nun erneut mit: erstmals in Deutsch – und mit seinen qualitätsvollen Fotografien, die er während der Reise selbst angefertigt hatte. Die Glasplatten lagerten bis 2009 unbeachtet im Musée Hôtel Le Vergeur in Reims und wurden dort von mir entdeckt – dank der großartigen Unterstützung durch Sacha Wiedenmann.
Krafft fügt kritische und genaue Blicke auf die Bauwerke mit der Neugierde auf die Menschen zusammen. Er beschreibt die „emotionsgeladene Argumentation“ einer Gastwirtin, die Ludwig II. verteidigt, ebenso wie ihm von seinem Aufenthalt in Garmisch ein besonderer Tanz in Erinnerung bleibt: „Die größte Attraktion ist sogar für die hiesigen Bauern immer wieder der Schuhplatterl [sic!]… Der Tänzer dreht sich um die eigene Achse, klopft sich auf Schenkel und Beine, fällt auf die Knie oder springt in die Luft und wirft seinen Hut, während er ein freudiges ‚Tju-hu’ ausstößt.“ 
Der Vortrag mit den von mir entdeckten historischen Fotografien verknüpft das Leben Ludwigs II. und seine Schlösser mit den unverstellten Beschreibungen von Hugues Krafft.
 

Dieser Vortrag geht den engen Verflechtung zwischen der Entwicklung und Inhalte der Wagner-Opern „Lohengrin“ und „Parsifal“ einerseits und den Bauten Ludwigs II. nach. Dabei steht das sich steigernde Verständnis des bayerischen Königs als eines Herrschers von Gottes Gnaden im Mittelpunkt. Um diesem gerecht zu werden, sehnte sich der König nach Reinheit und Vollkommenheit. Diese wollte er in seiner Gralsburg Neuschwanstein erfahren, und da vor allem im byzantinischen Thronsaal. Letzterer ist das gebaute und bis heute erlebbare Ergebnis einer einzigartigen Gedankenwelt des Königs: Er verknüpfte das Zeitalter der Bourbonen mit dem Gralsmysterium und mit der bayerischen Geschichte. Die Touristenmagnete Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee sind der sichtbare Ausdruck, werden aber nur von ganz wenigen korrekt verstanden.
 

Weltweit wird Ludwig II. mit seinen weltberühmten Schlössern in Verbindung gebracht. Doch nicht in ihnen hat der König die meiste Zeit verbracht, sondern in seinen zahlreichen Berghütten zwischen Lenggries und Füssen, zwischen Lech und Isar. Es sind diese für einen großen Touristenzuspruch ungeeigneten Orte, in denen er am häufigsten und längsten gearbeitet und geträumt hat. Die Liebe zu den Bergen übernahm Ludwig von seinem Vater Maximilian, der die Mehrzahl der Hütten als Pirschhäuser errichten ließ, um von ihnen aus seiner Jagdleidenschaft nachzugehen. Mit dem Tod Maximilians II. wandelte sein Sohn die Jagdhäuser in friedliche Residenzen, „wo ich auflebe in wonniger Einsamkeit, fern der Welt, die stets mich verkennt“ (an Richard Wagner im Juni 1867). Ludwigs Begeisterung für die Alpenwelt („Welche Sehnsucht habe ich nach den Bergen.“) zeigt sich auch darin, dass er zusätzliche Bauten errichten ließ, darunter das Königshaus am Schachen mit einem orientalischen Salon.
Dieser bebilderte Vortrag führt zu den schönsten Plätzen der bayerischen Alpen und bietet Geschichte und Geschichten rund um zwei Könige aus dem Hause Wittelsbach.
 

Sein Lebensglück hänge vom Bau seiner Schlösser ab, meinte der „Märchenkönig“ Ludwig II. Doch nicht nur Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee, sondern viele weitere Bauten sowie das Theater, die Literatur und die Musik waren Bausteine, mit denen er „poetische Zufluchtsorte“ schuf. Dieser Vortrag zeigt auf, was die kulturgeschichtliche Einzigartigkeit des bayerischen Monarchen ausmacht und woran er letztendlich scheiterte.
 

Kein Ort, kein Raum in den Schlössern König Ludwigs II. von Bayern könnte sinnbildlicher für das Schicksal und die Intentionen des Monarchen sein als der Thronsaal von Schloss Neuschwanstein. In seiner Entwicklungs- und Baugeschichte verdichtet sich auf einmalige Weise die Entwicklung eines Menschen, der seit seiner Geburt im Jahre 1845 immer wieder Rätsel aufgab und als „Märchenkönig“ in die Geschichte eingegangen ist. Der Thronsaal im byzantinischen Stil enthüllt die innersten Gedanken und Absichten des Monarchen: Er symbolisiert seine Vorstellung von einem Königtum von Gottes Gnaden. Ein Königtum, das der bayerische Herrscher in der Realität einer konstitutionellen Monarchie nicht verwirklichen konnte. Ludwig II. entwickelte im Verlauf seiner Regentschaft ein übersteigertes Majestätsbewusstsein, das auch architektonisch in allen Schlössern und Bauprojekten seinen Ausdruck finden sollte. Schloss Neuschwanstein plante der König als Gralsburg mit dem Thronsaal im Zentrum. Für Ludwig II. liegt in der mythischen Erlösungsstätte die besondere Bedeutung dieses Saales. 
Dieser Vortrag verbindet die Strahlkraft und Besonderheiten des Thronsaals mit den anderen Schlossarchitekturen und legt damit auf bisher nicht bekannte Art die Entwicklung des Monarchen hin zum sogenannten und missverstandenen Märchenkönig dar.